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Wie die Gitarre elektrisch wurde
Die ersten Tonabnehmer aus deutscher Produktion Teil I

Die Geschichte der frühen US-amerikanischen Saiteninstrumente mit Tonabnehmer ist gut dokumentiert. Der erste Tonabnehmer wurde serienmäßig zwischen 1931 und 1932 bei einer Serie von Lapsteel-Gitarren aus dem Hause Rickenbacker montiert. Dies Instrument wurde wegen seiner ungewöhnlichen Formgebung und Materialbeschaffenheit wenig liebevoll, aber dennoch treffend "Frying Pan"(Bratpfanne) genannt. Ein aus Aluminium hergestellter, kleinformatiger Gitarrenkorpus war mit einem überdimensionierten Hufeisenmagneten ausgestattet, dessen Arme die Saiten umgriffen. Sie wurden zwischen Oberkante der Spule und einer metallenen Abdeckung durch das Magnetfeld geführt - eine recht klobig anmutende Konstruktion.

 
     

 

Eine verfeinerte, elegantere Variante ging 1935 bei Gibson in die Serienproduktion. Ein jetzt zu den Gitarrensaiten hin offener Tonabnehmer wurde fest in die Decke eines Jazz- Gitarrenkorpus eingelassen. Der Tradition der Typenbezeichnungen bei Gibson folgend wählte man für dieses Instrument die Bezeichnung "ES 150". Das "ES" stand für "Electric Spanish" und die "150" gab den Verkaufspreis des Einzelhandels an ( US $ 150,00 zur Markteinführung im Jahre 1935). Dieses Gibson Modell gilt heute als die erste serienmäßig gefertigte akustische Gitarre mit einem Tonabnehmer.

Frühe Ausführungen beider Instrumente sind in der STROMGITARREN-Ausstellung des Technikmuseums zu sehen.

Wann jedoch begann die Geschichte der ersten Tonabnehmer aus deutscher Produktion? Wann und auf welchen in Deutschland hergestellten Instrumenten kamen sie zum Einsatz? Und vielleicht die interessanteste Frage: Wer hat sie gebaut?

 


Die Vorgeschichte

Ebenso wie bei der Konstruktion der ersten "Archtop" oder Jazzgitarren und den wiederum einige Jahre später entwickelten “Solidbodies" kopierten deutsche Instrumentenbauer auch bei den Tonabnehmern Erfindungen aus den USA.

Doch selbst dieser Kopiervorgang setzte in Deutschland verspätet ein: Die Ächtung angeblich „undeutscher“ kultureller und musikalischer Einflüsse während der NS-Zeit setzten bis 1945 in Deutschland andere Schwerpunkte: Erst im Nachkriegsdeutschland ebnete der freie Zugang zu neuen musikalischen Strömungen sowie die Begegnung mit amerikanischer Musik in Clubs und Radioprogrammen auch den Weg für die Übernahme von technischen Neuerungen. Voller Neugierde lauschten Musiker und Publikum den jetzt so anders klingenden, neuen verstärkten Gitarrentönen der amerikanischen Musikszene.

Im Zeitalter der Swingmusik hatte sich Benny Goodman mit seinem Orchester bereits seit Mitte der 30er Jahre in diesem Genre etabliert. Der Gitarrist an der elektrisch verstärkten Gitarre in seinem Orchester war Charlie Christian. Durch die neue Möglichkeit der Lautverstärkung auf dem Instrument musste die Rolle der Gitarre im Orchesterverbund nicht mehr auf Rhythmusaufgaben beschränkt bleiben. Es waren Charlie Christians Soli, die bereits 1939 als erste Aufnahmen einer verstärkten Gitarre in die Musikgeschichte eingingen. Diese frühen Versuche, das Lautstärkepotential der Gitarre anzuheben, markierten die ersten Schritte zur später angestrebten, nahezu unbegrenzten Verstärkung und Klangverformung der Stromgitarren, ohne deren Energie der Rock 'n' Roll nicht über den Atlantik gerollt wäre und Hendrix niemals zum Ikone der Stromgitarre hätte aufsteigen können.
 

     

Die Entwicklung in Deutschland

Coco Schumann, ein Berliner Jazzgitarrist der ersten Stunde, kehrte nach Kriegsende aus einem Konzentrationslager nach Berlin zurück. Die Neugierde nach den Quellen des neuen Gitarrensounds von Charlie Christian führte ihn in eine Schöneberger Gitarrenbauerwerkstatt. Ein kleiner Betrieb in der Berliner Martin-Luther-Straße 27 hatte hier direkt nach Kriegsende den Bau von Jazzgitarren wieder aufgenommen. Wenzel Rossmeisl, selbst Jazzgitarrist, fertigte dort mit seinem erst 18-jährigen Sohn Instrumente nach amerikanischem Vorbild. Coco Schumann klopfte an und erhoffte sich Aufklärung über die Geheimnisse, des neuen Gitarrensounds. 

   


Wenzels Sohn Roger konnte weiter helfen. Die neue Klangfarbe der Gitarre aus amerikanischen Musikaufzeichnungen, so Roger, wurde durch Einsatz eines sogenannten pick up’s erzeugt. Sein Angebot, ihm einen solchen neuartigen Tonabnehmer für seine Gitarre zu bauen, konnte Coco Schumann natürlich nicht abschlagen. Laut dessen eigener Aussage spielte zu jener Zeit (ca. 1946/47) noch niemand in Deutschland eine Jazzgitarre mit einem Tonabnehmer.

In einer Combo, der auch der später berühmte Geiger Helmut Zacharias angehörte, setzte er diesen von Roger Rossmeisl gebauten Tonabnehmer bei Liveauftritten ein. Tonbeispiele dieser frühen Einspielungen sind auf einer CD Coco Schumanns dokumentiert. (Doppel-CD Coco Schumann, "50 years in Jazz", Trikont US-0238).


Rainer Kordus

 

Lesen Sie im Teil II wie es weiterging

 
 
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