Ausstellung zur Kulturgeschichte der Stromgitarre / E-Gitarre Ausstellung Stromgitarren Ausstellung Stromgitarren
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Wie die Gitarre elektrisch wurde
Die ersten Tonabnehmer aus deutscher Produktion Teil II

Herstellung des Tonabnehmers
 

 

Roger Rossmeisl verwendete für den Bau des Tonabnehmers Magnete aus einem Wehrmachtskopfhörer. Materialbeschaffung zu jener Zeit nicht einfach, andererseits forderte sie auch das Improvisationstalent des jungen Roger heraus. Ausrangiertes technisches Gerät aus Armeerestbeständen, erinnert sich Coco Schumann, fand man damals allerdings an jeder Ecke.


Die Magnete und das Spulenmaterial beschaffte sich Roger aus den Ohrmuscheln der Kopfhörer. Spule und Magnete goss er dann in eine wachsartige Masse ein. Bei diesen frühen Tonabnehmern waren drei Magnete in einer Reihe angeordnet - jeweils ein Magnet für zwei Saiten. Die vorgegebene Größe der Magnete aus den Kopfhören gab diese Anordnung gewissermaßen vor. Diese fertige Einheit installierte Roger am Griffbrettende unterhalb der Saiten auf der Gitarrendecke. Die Regulierung der Lautstärke erfolgte durch einen Volumenregler am unteren Schlagbrettrand. Coco Schumann wurde mit Rogers Konstruktion stolzer Besitzer der ersten Jazzgitarre mit einem Tonabnehmer aus deutscher Produktion. Die Stromgitarren-Ausstellung zeigt auch eine Gitarre mit einem dieser allerersten Roger-Tonabnehmer.
 

 

Weitere Hersteller von frühen Tonabnehmern

Zu Beginn der 50er Jahre stellte die Berliner Firma Fuma Tonabnehmer für Gitarren her. Diese Tonabnehmer trugen unterschiedliche Aufschriften. Auf Wunsch wurde auch der Name des Gitarrenherstellers auf die Tonabnehmer graviert. Gut zu erkennen sind diese Ausführungen an den großen mehrschlitzigen Polschrauben.

Auch die Berliner Firma Bremer, die eigentlich Transformatoren baute, hat für die Roger-Gitarren Tonabnehmer hergestellt. Der Firmenchef R. Bremer entwarf und baute auch eine Verstärkerreihe, die dann mit dem "Roger"-Logo versehen auf den Markt kam. Seine Kenntnisse in diesem Bereich hatte Herr Bremer nach Kriegsende durch die Arbeit für eine Berliner Firma erlangt, die in der Kinobeschallung (Verstärkerbau und Wartung) arbeitete. Nach Konkurs seines Arbeitgebers machte er sich selbständig und lieferte unter dem "Roger"-Label das elektrische Equipment für die Roger Jazzgitarren.
 

 

     

Tonabnehmer mit Volumenregler
 

Tonabnehmer für Höfner-Gitarren

Relativ gut dokumentiert ist die Herstellung von Tonabnehmern bei und für die Firma Höfner, die nach dem Krieg ihren Sitz im fränkischen Bubenreuth hatte. Im ersten Katalog aus dem Jahre 1950 gab es noch keine Instrumente mit Tonabnehmern. Zwischen 1951 und 1953 bot Höfner dann die ersten Tonabnehmer an, die am Griffbrettende der Jazzgitarren, frei über der Decke schwebend, montiert werden konnten. Es gab zwei Ausführungen. Beide trugen den Höfner-Schriftzug auf dem Metallgehäuse. Beim teureren Modell war der Volumenregler in das Gehäuse integriert.

Diese Ausführungen sind heute sehr selten. Der einfachere Tonabnehmer ohne Volumenregler ist noch gelegentlich auf frühen Höfner-Instrumenten zu finden, die für den englischen Markt produziert wurden. Hersteller dieser Tonabnehmer war die Berliner Firma Fuma.
 


Tonabnehmer Hoefner ca. 1958 Ausf. in Bakelit
 
 

Der Bau von Modellen mit fest installiertem Tonabnehmer lässt sich für das Jahr 1953 nachweisen. Lieferant war wiederum die Firma Fuma. Höfner montierte diese Tonabnehmer auf Instrumente bereits bestehender Modellreihen.

Ab ca. 1957 wurden bei Höfner Tonabnehmer in eigener Herstellung gefertigt. Diese sogenannten “Single coil”-Tonabnehmer, also aus Einzelspulen bestehend, waren anfangs in einem ausgefrästen Holzgehäuse untergebracht. Bald jedoch wurde das Gehäuse unter Beibehaltung der äußeren Form in Bakelit gefertigt. Bis Ende der 50er Jahre wurde dieser Tonabnehmertyp auf Höfner-Instrumenten werkseitig montiert.
 

     

Alte Beatles Bilddokumente aus der Hamburger Zeit, photografiert von Astrid Kirchherr zeigen diesen Tonabnehmer auf Pauls Club Modell, und auf Stu Sutcliffes (damaliger Bassist der Beatles) Höfner Bass Typ 500/5.

Paul Mc Cartney's "Club 40"Gitarre

 

Stu Sutcliffe mit "500/5" Bass

 


In den 60er Jahren folgten noch weitere Eigenentwicklungen aus dem Hause Höfner und den anderen fränkischen Gitarrenfabriken. Später mussten diese Firmen jedoch auf Produkte renommierter Tonabnehmerhersteller umsteigen, um die internationalen Standards zu erfüllen. Von der frühen Episode der Rossmeisl-Gitarren abgesehen, haben Berliner Hersteller von E-Gitarren nie eine besondere Rolle spielen können



Rainer Kordus

 

Lesen Sie im Teil I wie es anfing

 
 
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