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Per Telegramm zur Telecaster

Leo Fender war seiner Zeit mehr als einmal ein Stück voraus! So richtig merkte das im Jahr 1950 aber kaum jemand, denn die elektrische Solidbody-Gitarre, mit der er auf den Markt kam, animierte zunächst einmal die Spötter mehr als die potentiellen Käufer. Schneeschaufel oder Kanupaddel waren noch die nettesten Bezeichnungen für das wohl wichtigste Instrument in der Geschichte der Stromgitarre:
Konsequent auf das Notwendige reduziert und mit Verfahren gefertigt, die auf die industrielle Produktion ausgerichtete waren. Das Kind, das da das Licht der Welt erblickte, taufte Fender "Broadcaster", und es ist bis heute springlebendig, wenn auch unter anderem Namen.

Die Umbenennung geschah nicht ganz freiwillig und datiert auf den 20. Februar 1951. Fender hatte wohl übersehen oder nicht weiter ernst genommen, dass ein alteingesessener New Yorker Instrumentenhersteller und Konkurrent in der Gitarrenproduktion, die Firma Gretsch, ein Schlagzeug mit Namen "Broadkaster" (tatsächlich mit "k" geschrieben) im Programm hatte. Gretsch hingegen hatte aufmerksam registriert, was der Newcomer in Kalifornien trieb und sandte ihm ein Kabel, das sich nicht unbedingt in die Rubrik Glückwunschtelegramm einsortieren lässt: "Wir verlangen die sofortige Bestätigung, dass sie die Verwendung dieses Namens einstellen".

Telegramm von Gretsch

Gretsch Telegramm vom 20.02.1951:
Ihre Verwendung des Warenzeichens Broadkaster auf ihrer elektrischen Gitarre stellt eine Verletzung unseres Warenzeichens Broadkaster U.S. Patent Office Nummer 347503 vom 29.6.1937, dar. Wir verlangen die sofortige Bestätigung, dass sie die Verwendung dieses Namens einstellen.

Aber was verdächtig nach dem Auftakt zu einem langwierigen Rechtstreit mit ungewissem Ausgang aussah, entpuppte sich als eine kurze, beinahe kollegial geführte Argumentation, die ohne Anwälte und Gerichte schnell zu einem Ende gebracht wurde. Fender reagierte umgehend und bezeichnete die Forderung von Gretsch als rechtmäßig. Der Broadcaster-Schriftzug verschwand von der Kopfplatte der Gitarre, und für vier Monate blieb sie namenlos. Diese Exemplare erfreuen sich heutzutage bei Sammlern als "Nocasters" großer Wertschätzung.

Antwort von Fender

Reaktion Fender vom 21.02.1951:
An alle Vertreter:
Ab heute wird unsere spanische Gitarre mit zwei Tonabnehmern nicht mehr als Broadcaster bezeichnet. Wir wurden darauf hingewiesen, dass dies eine Verletzung eines geschützten Namens eines anderen Herstellers darstellt. Dieser verlangt, dass wir den Namen sofort ablegen. Nach einer Überprüfung sind wir übereingekommen die Forderung als rechtmäßig anzusehen. Es liegt nun an uns einen neuen Namen zu finden. Wir werden sie unterrichten, sobald ein neuer Name gefunden wurde. In der Zwischenzeit informieren sie bitte ihre Kunden über die Änderung des Namens Broadcaster.
Es ist schade, dass unsere Anstrengungen in Verkauf und Werbung verloren sind, bin mir aber sicher, dass wir den Übergang unbeschadet überstehen. Sollte jemand eine gute Idee für einen Namen haben, würde ich mich freuen baldigst von ihm zu hören.

In Schreibschrift:
Wer hat Beschwerde eingereicht? Schickt ein Bulletin an die Händler zwecks eines Wettbewerbs. Bietet eine Gitarre für den besten Namen.

Dass Fender in der Lage war, auch aus dieser etwas misslichen Situation wieder etwas Brauchbares zu machen, zeigt die Wahl des neuen Namens für sein Meisterstück: Als "Telecaster" kennt sie jeder, der sich schon einmal für eine Stromgitarre interessiert hat.

Thomas Kosche

(Das Telegramm und die Antwort von Fenders Manager Donald Randall veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung von Fred Gretsch, Savannah, Georgia, USA)

 
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